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Biografisches Handbuch

Hartmut Hilbert

geboren am 28. Dezember 1952 | vermutlicher Leichenfund am 8. August 1975 | Ort des Vorfalls: Ostsee vor Karlshagen (Usedom)
Die Leipziger Brüder Hartmut und Wolfgang Hilbert unternahmen im Juli 1975 einen Fluchtversuch über die Ostsee. Von Karlshagen auf der Insel Usedom aus wollten sie in einem Faltboot über das Meer fliehen. Der 22-jährige Hartmut und sein 23-jähriger Bruder kamen dabei ums Leben.

Am 28. Juli 1975 haben der 22 Jahre alte Hartmut Hilbert und sein 23-jähriger Bruder Wolfgang versucht, die Ostsee von Karlshagen (Usedom) aus mit Hilfe eines Faltboots zu verlassen. Hartmut Hilbert wurde am 28. Dezember 1952 geboren. Er und sein älterer Bruder lebten in Leipzig. Was sie zu der Flucht bewogen hat, ist nicht bekannt. 

Bereits im Februar 1972 wurden sie am Grenzkontrollpunkt Halámky, an der tschechisch-österreichischen Grenze, festgenommen, nachdem sie mit einem Leihwagen polnischen Kennzeichens in die ČSSR eingereist waren. Bei der Befragung gaben sie an, eine Rundreise zu unternehmen und sich verfahren zu haben, woraufhin Hartmut und Wolfgang Hilbert entlassen und ausgewiesen wurden. Wolfgang Hilbert versuchte im Oktober 1972 erneut, die DDR zu verlassen. Für diesen Plan hatte er bereits die Ostsee als Route ausgewählt: Von Boltenhagen aus hatte Wolfgang Hilbert das Ziel, schwimmend den Westen zu erreichen. Sein Taucheranzug war jedoch undicht und so kehrte er wieder um. Dabei wurde er festgenommen und nach § 213 StGB wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Den nächsten gemeinsamen Fluchtversuch 1975 überlebten die Brüder nicht. Dies ließ sich durch die Recherchen im Forschungsprojekt herausfinden. Seit dem Sommer 1975 waren sie verschollen und galten auch in den 1990er Jahren noch als Vermisstenfälle. Auf einer Liste der ZERV zu „Ostseefällen“ finden sich die Angaben „Flucht“, „Faltboot“ und „Tatort Karlshagen“. In Dokumenten von Christine Vogt-Müller aus dem Jahr 1992 ist wiederum unter dem Stichwort „Familie Hilbert“ der Hinweis notiert, dass „2 Söhne ertrunken“ seien.

Ein aktueller Fund aus dem Landesarchiv Greifswald in den Tagesrapporten der BDVP Rostock könnte belegen, dass die Leichen der beiden Brüder am 8. August 1975 in der Ostsee vor Karlshagen bzw. vor Sassnitz gefunden wurden: Um 5:00 Uhr wurde der Leichnam eines 25 bis 45-jährigen Mannes, der nur mit einer Badehose bekleidet war, von Angehörigen der NVA querab von Karlshagen geborgen. Die Todesursache lautete „vermutlich Ertrinken“. Um 11:20 Uhr sichtete ein Kutter der FPG Saßnitz auf der Reede vor Sassnitz dann ebenfalls eine männliche Leiche, die auf 25 bis 30 Jahre geschätzt wurde und bekleidet war. Beide Personen lagen schon längere Zeit im Wasser.   

Es spricht einiges dafür, dass die beiden Leichen die der Hilbert-Brüder waren. Stichhaltige Beweise liegen jedoch nicht vor. Dass die beiden gestorben sind, konnte in der Rechtsmedizin Greifswald bestätigt werden. Hier wurden Wolfgang und Hartmut Hilbert auch obduziert. Jedoch fehlen die Sektionsprotokolle, die belegen können, dass es sich um die Leichenfunde vom 8. August handelt. Die Dokumente wurden damals von der Morduntersuchungs-kommission Rostock ausgeliehen und nicht wieder zurückgegeben.


Biografie von Hartmut Hilbert, Biografisches Handbuch "Eiserner Vorhang" https://todesopfer.eiserner-vorhang.de/article/hartmut-hilbert/, Letzter Zugriff: 29.02.2024