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Biografisches Handbuch

Hartmut Schlegel

geboren am 6. Oktober 1945 in Oschatz | tot geborgen aus der Ostsee am 11. September 1963 | Ort des Vorfalls: Ostsee
Der 17-jährige Hartmut Schlegel und zwei weitere Personen versuchten im Spätsommer 1963 von Boltenhagen aus auf Luftmatratzen über die Ostsee zu fliehen. Am 11. September wurde seine Leiche aus der Lübecker Bucht geborgen.

Paul Heinrich Hartmut Schlegel wurde am 6. Oktober 1945 im sächsischen Oschatz geboren. Seine Mutter Charlotte Schlegel ist als unverehelichte Verkäuferin im Geburtsregister benannt. Ein Vater ist hier nicht eingetragen. Bis zum Alter von zehn Jahren lebte er in Oschatz, 1955 erfolgte ein Umzug nach Dresden. Hier wohnte er bis zu seinem Tod im Jahr 1963 im Bischofsweg in der äußeren Neustadt. Darüber hinaus ist lediglich bekannt, dass er von Beruf Schlosser war.

Was ihn dazu bewogen hat, im Alter von nur 17 Jahren die Flucht über die Ostsee zu wagen, entzieht sich unserer Kenntnis. Am 11. September 1963 gegen 9:30 Uhr wurde seine Leiche durch ein Küstenschutzboot der Volksmarine aus dem nördlichen Teil der Lübecker Bucht geborgen. Sie war mit mehreren Schichten von Ober- und Unterbekleidung ausgestattet sowie Schwimmutensilien, nämlich einer grau-weißen Schwimmweste, einem aus Wachstuch gefertigtem Taucherhemd mit Gummizugverschluss am Hals und grünen Schwimmflossen an den Füßen.

Im Sterberegister des Standesamtes Klütz wurde der 1. September 1963 als Sterbedatum benannt. Dies passt sowohl zu den Erkenntnissen, die zum Ablauf der Flucht bekannt wurden, als auch zur Liegezeit der Leiche im Wasser von circa 8-14 Tagen, die im Sektionsbericht des Instituts für Gerichtliche Medizin der Universität Rostock festgehalten wurde. Den Obduzenten, welche die Leichenschau am 13. September 1963 in der Leichenhalle des Krankenhauses Boltenhagen vornahmen, wurden durch die Ermittlungsbehörden folgende Sachverhalte dargelegt: Hartmut Schlegel soll am 31. August 1963 mit zwei Freunden versucht haben, Boltenhagen über die Ostsee mit zwei Luftmatratzen zu verlassen. Einer der Mitflüchtlinge berichtete von mehreren Schwächeanfällen, die Schlegel vor der Küste bekam und durch die er immer wieder ins Wasser fiel. Sein Freund habe ihn jedes Mal wieder auf die Luftmatratze zurückgezogen, bis er ihn in den frühen Morgenstunden allein im Wasser zurücklassen musste. Die Behörden vermuteten, dass es zu einer Auseinandersetzung um den Platz auf der Luftmatratze gekommen sei. Der Leichenschauarzt hatte zudem den Verdacht einer äußeren Gewalteinwirkung formuliert. Diesen bestätigten die obduzierenden Ärzte jedoch nicht und hielten fest, dass sich keine Zeichen äußerer Gewalteinwirkung gefunden hätten. Sie gingen von einem Ertrinkungstod in Folge eines Unfallgeschehens aus.

Zum Schicksal der beiden Mitflüchtlinge gibt es verschiedene Angaben: Einerseits sollen beide festgenommen worden sein, andererseits hätte es einer von ihnen wohl geschafft, von einer dänischen Fähre aufgenommen und gerettet zu werden.


Biografie von Hartmut Schlegel, Biografisches Handbuch "Eiserner Vorhang" https://todesopfer.eiserner-vorhang.de/article/476-hartmut-schlegel/, Letzter Zugriff: 05.02.2023