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Biografisches Handbuch

Klara Grzella

geboren am 14. Dezember 1920 in Groß Schwirsen (heute: Świerzno, Polen) | verschollen seit dem 13. April 1962 | Ort des Vorfalls: Ostsee
Klara Grzella, ihr Sohn Klaus Grzella und dessen Freund Klaus Engels gelten seit dem 13. April 1962 als vermisst. Es ist anzunehmen, dass sie gemeinsam mit einem Faltboot geflohen sind. Das leere Boot wurde vor dem Gedser Feuerschiff entdeckt. Die Insassen sind vermutlich ertrunken, ihre Leichen wurden nie gefunden.

Klara Grzella, ihr Sohn Klaus Grzella und dessen Freund Klaus Engels gelten seit dem 13. April 1962 als vermisst. Es ist anzunehmen, dass die Drei versuchten, die DDR mit einem Faltboot mit Außenbordmotor über die Ostsee zu verlassen. Das leere Boot wurde vor dem Gedser Feuerschiff durch ein Fischereiboot entdeckt. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind alle drei Personen bei der Flucht ums Leben gekommen. Ihre Leichen wurden nicht gefunden.

Ein vereinzelter Hinweis, dass Klara Grzellas Leiche im April 1962 auf Fehmarn angespült wurde, konnte durch das Stadtarchiv Fehmarn nicht bestätigt werden.

Klara Grzella, geborene Nimtz, wurde am 14. Dezember 1920 in Groß Schwirsen (Świerzno), einem Dorf im Westen des historischen Kreises Rummelsburg (Miastko) in der ehemaligen Provinz Pommern, geboren. Am 12. Juli 1940 heiratete sie in Stettin (Szczecin) Hans Grzella, welcher am 21. Juli 1915 in Dramburg (Drawsko Pomorskie), einer Stadt, die ebenfalls zur Provinz Pommern gehörte, geboren wurde. Aus der Ehe gingen mindestens zwei Söhne hervor. Ihr erstgeborenes Kind hieß Ulrich Grzella und wurde am 1. März 1940 in Stettin geboren. Etwa anderthalb Jahre später kam Klaus Grzella am 25. September 1941 in Groß Schwirsen auf die Welt. Wie viele deutschstämmige Familien musste auch Familie Grzella in der Folge des Zweiten Weltkrieges Ostpreußen verlassen und fand in Rostock ein neues Zuhause.

Die Ehe der beiden überdauerte das Ende des Krieges und den Neuanfang in Rostock und dennoch ließ sich das Paar am 8. Januar 1961 nach 20 Jahren Ehe scheiden. Zu diesem Zeitpunkt lebten Clara, ihr Mann und der jüngere Sohn Klaus in der Eschenstraße 14. Die gemeinsame Wohnung verließ der geschiedene Ehemann am 15. Juni 1961, etwa ein halbes Jahr nach der offiziellen Scheidung.

Im Rostocker Stadtarchiv findet sich für Clara und Klaus Grzella auf ihren polizeilichen Meldekarten unter dem Datum des 13. Aprils 1961 eine Notiz, auf der ein illegaler Grenzübertritt nach Westdeutschland vermutet wird. Handschriftlich wurde ergänzt, dass der Grenzübertritt, datiert auf den 29. Mai 1962, vermutlich tödlich endete.

1994 leitete die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) ein Vorermittlungsverfahren bezüglich des Vermissten Engels ein. Dessen Schwester bemühte sich um die Aufklärung dieses Fluchtversuches und bat 1997 sowohl die private Initiative „AG 13. August“ als auch die ZERV um Mithilfe. Doch die Bemühungen blieben vergeblich: Es konnte lediglich ein Eintrag aus dem Jahr 1963 in der Vermisstenkartei des ehemaligen Volkspolizeikreisamtes Rostock gefunden werden. Nach aktuellem Erkenntnisstand können keine weiteren Angaben zum Fluchtmotiv der Familie Grzella und Klaus Engels sowie zu den Umständen ihrer Flucht gemacht werden.


Biografie von Klara Grzella, Biografisches Handbuch "Eiserner Vorhang" https://todesopfer.eiserner-vorhang.de/article/461-klara-grzella/, Letzter Zugriff: 05.02.2023