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Biografisches Handbuch

Peter Kynast

geboren am 3. Juni 1941 | vermutlich in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1966 ertrunken | Ort des Vorfalls: Ostsee
Peter Kynast und Georg Ritter fuhren am 7. Juli 1966 gemeinsam an die Ostsee, um mit einem Paddelboot über die Seegrenze aus der DDR zu fliehen. Ihr Fluchtversuch scheiterte. Am 04. August 1966 wurde Peter Kynasts Leiche durch westdeutsche Fischkutter in der Lübecker Bucht geborgen.

Ernst-Peter Kynast wurde am 3. Juni 1941 geboren. Zu seinen Lebensumständen lässt sich wenig rekonstruieren, bekannt ist jedoch, dass er am 11. Oktober 1960 aufgrund der Tatbestände der Diversion, wie politisch- und ideologisch abweichendes Denken durch die DDR-Justiz bezeichnet wurde, und Spionage zu einer längeren Haft von rund sechs Jahren verurteilt wurde. Bis zum 10. September 1965 verbrachte er seine Haftzeit in der Strafvollzugsanstalt Waldheim, danach wurde er in die Strafvollzugsanstalt Berlin I des Ministeriums für Staatssicherheitin Rummelsburg verlegt.

Gemeinsam mit Georg Ritter fuhr Peter Kynast am 7. Juli 1966 an die Ostsee. Die beiden gaben an, an der Ostsee Urlaub machen zu wollen, jedoch gingen bereits im Vorfeld, am 1. Juli 1966, bei der Volkspolizei Meldungen ein, dass Kynast Vorbereitungen zur Flucht treffen würde. Zu den Umständen, unter denen die beiden jungen Männer sich kannten, und in welchem Verhältnis sie zueinanderstanden, können keine Angaben gemacht werden. Bekannt ist jedoch, dass sie, um ihre Fluchtpläne zu verwirklichen, ein Paddelboot, ein Zelt und einen Kompass mit sich trugen. Weitere Gegenstände der beiden wurden am 12. Juli 1966 entdeckt: Am Strand von Grevesmühlen fanden sich Kleidungsstücke und Ausweispapiere von Peter Kynast, am Strand von Boltenhagen wurden zwei Koffer gefunden, die Kynast und Ritter zugeordnet werden konnten. Wo genau und zu welchem Zeitpunkt die beiden jungen Männer ablandeten, kann nicht rekonstruiert werden.

Etwa vier Wochen nach der Ablandung, in den Morgenstunden des 4. August 1966, entdeckten zwei westdeutsche Fischkutter in der Lübecker Bucht eine männliche Wasserleiche. Durch ein Boot der Wasserschutzpolizei Heiligenhafen wurde diese aufgenommen und nach Heiligenhafen, einer Kleinstadt im Kreis Ostholstein (Schleswig-Holstein) gebracht. Die Leiche wurde am 5. August 1966 obduziert und konnte vorerst nicht identifiziert werden. Aufgrund der Kleidungsstücke wurde jedoch angenommen, dass es sich um einen Bürger der DDR handeln musste. Auf den Fluchthintergrund deuteten die persönlichen Gegenstände, die der Tote mit sich trug, hin: Neben einem Marschkompass fanden die Ermittelnden zwei Filme einer Kleinbildkamera, welche Ablichtungen vom Dresdner Hauptbahnhof, Personenportraits und Aufnahmen von einem Bauernhof festhielten. Die Beerdigung des Unbekannten fand am 9. August 1966 in Heiligenhafen statt.

Rund eineinhalb Wochen später, am 15. August 1966, wurde die Leiche von Georg Ritter am Strand von Rerik im Wasser treibend durch Urlauber aufgefunden.

Während der Wintermonate des Jahres 1966 unternahm die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit Rostock verschiedene Versuche zur Mithilfe der Identifikation der unbekannten Wasserleiche, die sich aufgrund des hohen Verwesungsgrades der Leiche als schwierig gestalteten . Durch Unterlagen über Zahnbehandlungen aus der Haftzeit konnte im Februar 1967 der unbekannte Tote als Peter Kynast identifiziert werden. Er wurde nur 25 Jahre alt.


Biografie von Peter Kynast, Biografisches Handbuch "Eiserner Vorhang" https://todesopfer.eiserner-vorhang.de/article/451-peter-kynast/, Letzter Zugriff: 05.02.2023